Gemeinsame Stellungnahme von GeStEIN, DEUQUA und BDG zur Streichung der W2-Professur Quartärgeologie an der Leibniz Universität Hannover

Durch die von der Landesregierung Niedersachsens auferlegten Sparzwänge sollen in den kommenden Jahren an der Leibniz Universität Hannover 22 Professuren dauerhaft gestrichen werden. Davon betroffen ist auch die zum 31.03.2026 auslaufende W2-Professur für Quartärgeologie am Institut für Geologie.

Um das zu verhindern, haben sich Vertreter von GeStEIN mit dem BDG (Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler) und der DEUQUA (Deutsche Quartärvereinigung) zusammengeschlossen und eine Stellungnahme verfasst. Diese wurde am 20.01.2021 an die Leibniz Universität und die Landesregierung Niedersachsen übersendet.

Der Hauptkritikpunkt ist der Wegfall der Lehre in gesellschaftlich sehr relevanten Teilen der Geowissenschaften. Dies bezieht sich unter anderem auf Klimawandel und die Gewinnung von Rohstoffen.

Die Quartärgeologie befasst sich mit der jüngeren Erdgeschichte bis in die Gegenwart. Sie ist ein Eckpfeiler der geowissenschaftlichen Klimaforschung und trägt in erheblichem Maße zum Verständnis von Klimaveränderungen und deren Einfluss auf Prozesse an der Erdoberfläche bei. Zudem befassen sich Quartärgeologinnen mit der Gewinnung von Rohstoffen wie Kies und Sand sowie mit dem Umgang mit Naturgefahren und Altlasten. Quartäre Sedimente beherbergen den Großteil der Grundwasservorkommen Deutschlands und bilden als oberste Deckschicht unserer Erdoberfläche den Untergrund für nahezu jedes Bauvorhaben.

Vor dem Hintergrund wachsender Umweltprobleme, der nachhaltigen Nutzung von natürlichen Ressourcen und den Auswirkungen globaler Klimaveränderungen ist die Ausbildung qualifizierter Geowissenschaftlerinnen in besonderem Maße gefragt. Neben der Bekämpfung und Eindämmung des Klimawandels, ist auch die Suche und Ausweisung eines atomaren Endlagers in Deutschland eine anstehende Herausforderung, wofür Geowissenschaftler*innen dringend benötigt werden.

Dem entgegen steht die Entwicklung, dass in Niedersachsen in der nahen Vergangenheit geowissenschaftliche Studienstandorte wie Clausthal-Zellerfeld und Braunschweig sukzessive abgebaut worden sind. Deutschlandweit gibt es derzeit drei Professuren für Quartärgeologie: Köln, Freiburg und Hannover. Sollte die hannoversche Professur entfallen, wird dieser Forschungszweig noch mehr verkleinert und dann im norddeutschen Raum nicht mehr durch eine Hochschulprofessur vertreten sein. Außerdem scheint mittelfristig ein Wegfall der universitären geologischen Ausbildung in Hannover wahrscheinlich, da die Lehre mit den zwei übrigen Professuren nicht mehr adäquat bewerkstelligt werden kann.

Die vollständige Stellungnahme findet ihr hier:

Ausarbeitung seitens GeStEIN: Bryce Carr, Fritz Stoepke, Dominic Hildebrandt, Franz Kerschofer.