GeStEIN-Kolloquium

Diese digitale Veranstaltung dient dazu, die Geowissenschaften allen näherzubringen, spannende Themen relevant zur Wissenschaft, Gesellschaft und Studium zu teilen, sowie unterschiedliche Hochschulen, Forschungseinrichtungen und geowissenschaftliche Projekte vorzustellen. Die Studierenden, Wissenschaftler*innen und alle anderen Zuhörer*innen, sollen die Gelegenheit haben bestimmte Themenfelder der Geowissenschaften neu zu entdecken oder zu vertiefen. Wir bieten Vortragenden (Masterstudierende, PhD, Post-Docs, Wissenschatler*innen, Berufstätige) eine Möglichkeit, Ihr Wissen einem breiten Publikum aus dem deutschsprachigen Raum mitzuteilen.

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Zeolithe – “Kochende Steine” mit Anwendungen in Haushalt und Technik

Dr. Michael Fischer

Universität Bremen

Vortragsdatum: 03.05.2022 um 18 Uhr

Abstract:

Im Studium der Geowissenschaften tauchen Zeolithe häufig eher am Rande auf, unter anderem als Beispiel für komplexe Gerüstsilikate in der Kristallographie oder als Indexminerale im Druck-Temperatur-Diagramm der metamorphen Fazies. In Anbetracht dieser „Nebenrolle“ dürfe es viele Geowissenschaftler*innen überraschen, dass synthetische Zeolithe in fast jedem Haushalt zu finden sind (in Waschpulver) und dass große Teile des an unseren Tankstellen verkauften Benzins unter Verwendung von Zeolith-Katalysatoren hergestellt werden. Im Rahmen meines Vortrags möchte ich nach einer kurzen Einführung in die strukturellen Alleinstellungsmerkmale von Zeolithen erläutern, warum diese so interessant für verschiedene Anwendungen sind. Neben den wichtigsten großtechnischen Prozessen werde ich hierbei insbesondere auf die potentielle Nutzung in Umwelt-relevanten Anwendungen eingehen, speziell auf die Entfernung von organischen Schadstoffen wie Pharmazeutika aus Abwässern. Bei diesem Thema werde ich dann auch eine Brücke zu meiner eigenen Forschung im Bereich der atomistischen Modellierung von Zeolithen schlagen.

Giant clams as high-resolution climate archives

Iris Arndt

Universität Frankfurt

Vortragsdatum: 17.05.2022 um 18 Uhr

Abstract:

Bivalves are important high resolution environmental and climate archives. The (sub)tropical giant
clams Tridacna can build large, over 1 m, dense aragonitic shells. The shells feature (macroscopically
visible) seasonal to (microscopically visible) daily growth bands, recording the clams’ life spans of up
to 100 years. By analysing the geochemical composition of their shells, environmental parameters
can be deciphered, such as temperature, light and nutrient availability as well as short term
disturbances in reef systems, such as storms and heavy precipitation events. Thus, the giant clam
Tridacna is an excellent archive for paleo-seasonality and the reconstruction of climate relevant
short-term events. Such highly resolved information is especially important for the comparison of
paleoclimate to present-day climate and can be used to adjust models for future climate.

Die Antarktis: vom Herzstück Gondwanas zum polaren Kontinent

PD Dr. Frank Lisker

Universität Bremen

Vortragsdatum: 21.06.2022 um 18 Uhr

Abstract:

The landscape of Antarctica consists of very low interior planes sealed by a thick ice cover and
bound by high-standing basement plateaus exposed primarily along the continental margins.
However, this present pattern does not represent a past Antarctic landscape within Gondwana.
Geological history and long-term landscape development of the Gondwana interior can be
assessed by combining thermochronological and geophysical data, detrital provenance record
and kinematic, thermal, stratigraphic, and geomorphological indicators. These data collectively
suggest the existence of an extensive late Paleozoic – early Cenozoic intra-Gondwanan basin
system. Some of these basins, often radially oriented, are still preserved beneath the ice while
others, especially the large continental rifts and the sheared and passive continental margins, got
inverted diachronously to present Antarctic highlands. The transformation of the ancient basin
system into highland ranges was triggered by the disintegration of Gondwna and had major
consequences for global climate evolution and faunal and floral radiation.

Kosmogene Nuklide in Meteoriten

Dr. Silke Merchel

Affiliation: Universität Wien, Fakultät für Physik, Isotopenphysik, 1090 Wien, Österreich

Vortragsdatum 28.06.2022 um 18 Uhr

Abstract:

Die kosmische Strahlung induziert Kernreaktion in Meteoriten. Die Produkte,
sogenannte kosmogene Nuklide speichern damit Informationen über die
Bestrahlungsgeschichte dieser extraterrestrischen Materie und sogar der kosmischen
Strahlung. Die Konzentrationen lassen z.B. Rückschlüsse auf die präatmospherische
Größe des Meteoroiden und die Länge der Bestrahlung (Bestrahlungsalter) zu. Durch
die Analyse mehrerer Nuklide können komplexe Szenarien wie eine Vorbestrahlung auf
dem Meteoritenmutterkörper (Asteroid, Mond, Mars) und das irdische Alter
rekonstruiert werden.
Da die Isotopenverhältnisse der Nuklide im Bereich von 109-1012 liegen, ist die
analytische Methode der Wahl in der Regel die Beschleunigermassenspektrometrie.
Diese wird üblicherweise nach zeit- und kostenaufwendiger radiochemischer
Aufbereitung einer ~100 mg schweren Meteoritenprobe durchgeführt. Diese hat zum
Ziel, die Matrix und die störenden Isobaren abzureichern.
Das weltweit unikale Ion-Laser InterAction Mass Spectrometry (ILIAMS) System,
welches am Vienna Environmental Research Accelerator (VERA) entwickelt wurde,
erreicht eine Isobarenunterdrückung von elf Größenordnungen. Somit kann nun die
direkte Bestimmung von Isotopenverhältnissen in Steinmeteoriten (<1 mg) in
Anwesenheit von bis zu 15% Mg bzw. 1‰ K (Isobare zu 26Al bzw. 41Ca) erfolgen.
ILIAMS@VERA eröffnet damit schnelle und kostengünstige Tests, ob ein auf der Erde
gefundenes Objekt der kosmischen Strahlung ausgesetzt war oder ein “Fake”-Meteorit
ist

Observing orogeny – Maria Graham’s account of the 1822 earthquake in Chile

PD Dr. Martina Kölbl-Ebert

Ludwig-Maximilians-Universität München

Vortragsdatum 05.07.2022 um 18 Uhr

Abstract:

In November 1822, part of the Chilean coast was devastated by an intense earthquake. The report of geological phenomena by Maria Graham (1785–1842) — being one of the earliest detailed earthquake descriptions dealing with geologically relevant facts — gave rise to a vituperative debate lasting several years at the Geological Society of London about the effects of earthquakes and their role in mountain building. Although Mrs Graham’s account was entirely reasonable from a present day view, she became trapped between the millstones of two conflicting theories which were then held.

Einblicke in die Palynofazies des Deutschen Wealdens

Fritz Stoepke

Leibniz Universität Hannover

Vortragsdatum: 19.07.2022 um 18 Uhr

Abstract:

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